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Von Horst Köder, gefunden auf www.spiegel.de/sport.
Schonzeit für Hechte, Schonzeit für Zander, und das bis in den Mai hinein. Da kann man als Raubfischspezialist schon mal zum Trockenangler werden. Abhilfe schafft nur ein Wechsel ins nächste Bundesland. Oder man entert einfach mit Rute und Rolle die nächste Badeanstalt.
Hamburgs Fische dürfen sich bei der Liebe Zeit lassen.

Seit dem 1. Januar sollen sich Herr und Frau Zander unter Wasser finden
und freudig vermehren, auf dass sie viele Nachkommen zeugen und diese
auf Generationen hinaus noch in Elbe & Co schwimmen und uns ab und
zu an die Angel gehen.
Wenn den Fischen jetzt noch ein wenig zu kalt für die Fortpflanzung ist, dann macht das nichts: Bis zum 15. Mai sind sie noch vor unseren Nachstellungen sicher, so lange gewährt das Hamburger Fischereigesetz Schonzeit. Viereinhalb Monate lang darf kein Zander dem Wasser entnommen werden. Wer jetzt denkt, okay, es gibt ja noch Hechte, der ist ebenfalls angeschmiert: Die haben genauso lange Schonzeit.
Schwere Monate für einen passionierten Raubfischspezialisten wie mich. "Trockenangler" nennt man diesen Zustand im Fachjargon. Auf die allgegenwärtigen Barsche zu angeln, bringt auch wenig, weil dann garantiert der Zander oder Hecht des Lebens beißt und kein Mensch einem Angler sein Latein abnimmt, wenn er keinen beschuppten Beweis vorlegen kann und zudem noch mit monsterblöden Ausreden ("Herrje, es war halt Schonzeit!") ankommt.
Vielleicht hilft ja die kommende Hamburg-Wahl. Ich werde Bürgermeister Ole von Beust auf das Problem der arg langen Zander- und Hechtschonzeit ansprechen, wenn ich ihn auf seiner Wahlkampftour treffe. Vielleicht macht er das noch kurzfristig zum heißen Thema, so wie Roland Koch in Hessen die jugendlichen Gewalttäter.
Ich fürchte allerdings, ich muss mir wieder selbst aus der Misere helfen. Dummerweise sind die üblichen Zeitvertreibe eines Anglers im eigenen Heim bei mir langsam aufgebraucht. Die Angelurlaube habe ich bis 2010 durchgebucht, die aktuellen Fachzeitschriften fallen vor lauter Durchblättern schon auseinander, und die Kunstköder sortiere ich seit einigen Wochen täglich wahlweise nach Farbe, Größe, Preis, Zielfisch, Kaufdatum, Hersteller und Fangquote neu, auch in verschiedenen Kombinationen.
Irgendwann dachte ich mir: Wie wirken diese Teile eigentlich unter Wasser auf die Fische? Wackelt dieser Wobbler jetzt besonders hübsch mit dem Schwanz? Taumelt der Blinker dort schön im Zickzack? Und sirrt dieser Spinner so schnell wie kein anderer?
Der Praxistest ist also angesagt. Nur: In Elbe, Alster und sonstigen Brühen sind unsere Leckerbissen schon direkt nach dem Eintauchen nicht mehr zu sehen, die Oberflächenreflexion tut ihr Übriges, damit wir Überwassergeschöpfe vom Treiben unter Wasser nichts mitkriegen.
Doch es gibt einen Ausweg: das Freibad um die Ecke! Mit der Einschränkung: falls es noch existiert. Die modernen Menschen wollen ja lieber Wellness, Sauna und sonstigen Schmus, das klassische städtische Becken mit 25-Meter-Bahn ist stärker vom Aussterben bedroht als der weiße Hai. Mit der Folge, dass Deutschland bei Olympia in Peking im Medaillenspiegel der Schwimmwettbewerbe irgendwo zwischen Island und Bolivien landen wird. Falls Franziska van Almsick nicht doch noch ein Comeback startet.
Aber wenden wir uns wieder dem Angeln im Freibad zu. Oft ist der Abriss für den gebeutelten städtischen Haushalt zu teuer, das Ablassen des Wassers im Winter sowieso, so können wir nach Herzenslust auf Bahn 4 auswerfen, einholen und unsere Blinker und Wobbler bei ihrer Arbeit beobachten. Wer dann doch irgendwann Sehnsucht nach einem Fisch bekommt, der sollte einfach durch einen der Laubklumpen kurbeln. Das wirkt dann mit geschlossenen Augen fast so wie der Biss eines achtpfündigen Zanders.
Zur Tarnung sollten sie ein paar dunkle oder am besten sogar schwarze Klamotten anziehen. Aber Vorsicht, wenn sie in den frühen Morgenstunden testen wollen: Manchmal ist dann auch noch ein 80-jähriger Rentner unterwegs, um ein paar Runden im kühlen Nass zu drehen. Und dunkel gekleidete Menschen mit Rute und Rolle im Schwimmbad bei Temperaturen knapp über Null stoßen beim Großteil der übrigen Bevölkerung nur selten auf Verständnis.
Lieber für den Notfall statt der Wahrheit ("Ich wollte meine Kunstköder testen") ein paar billige Ausreden bereithalten. Etwa: "Ich passe auf meinen Opa auf, der schwimmt da vorne." Oder: "Mein Hund ist hier irgendwo entlaufen, den muss ich wieder einfangen." Möglich auch: "Das ist meine Wünschelrute, ich heiße Uri Geller."
Vielleicht sollte ich mich doch im Winter lieber von Freibädern fernhalten und ein paar Kilometer elbauf- oder abwärts fahren. Dann bin ich in Niedersachsen und darf noch bis Mitte März auf Zander angeln. Ob das die Zander wissen und bis dahin lieber in Hamburg herumschwimmen? Oder ich fahre gleich nach Schleswig-Holstein. Da darf ich es bis Mitte Februar noch. Dafür sind Ostseeschnäpel und Zährten ganzjährig geschützt. Der Maifisch sowieso. Ist schon kompliziert, so ein Anglerleben im Föderalismus.
Im Freibad hatte alles noch so einfach ausgesehen.
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Wir meinen dazu,die Schwimmbadvariante
fanden wir besonders erwähnenswert:)Ein klasse Artikel , weiter so.
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